quarta-feira, 6 de julho de 2011

Interview mit Jörg Lau Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben. Suhrkamp, Frankfurt 2001




JOSÉ GALISI FILHO- Wie funktioniert das „System Enzensberger“ als „öffentliches Leben“? Wie lässt sich die Form einer Biographie mit dem Paradoxon des Ichs, der „immer ein anderer“ ist, zu versöhnen?

Jörg Lau - Hans Magnus Enzensberger ist für mich besonders als deutscher Schriftsteller so interessant, weil er völlig mit dem Muster der deutschen „Innerlichkeit“ bricht. Man könnte bei ihm geradezu von einer deutschen „Äußerlichkeit“ sprechen. Das Wort „Äußerlichkeit“ wird im Deutschen normalerweise negativ gebraucht, im Sinne von Oberflächlichkeit. Immer wieder ist ihm auch vorgeworfen worden, er würde zu sehr schwanken, seine Meinung, seine Interessen ändern, er sei ein „Luftwesen“. In diesem Sinne gibt es Kritik an ihm. Aber ich sehe das im Gegensatz dazu positiv und als eine Korrektur der deutschen Tradition, die sehr auf heiligen Ernst, Prinzipientreue und Innerlichkeit setzt. Er interessiert sich sehr für die Welt. Er ist ein neugieriger Mensch, der von der Mathematik bis zur Linguistik und bis zu Reisen in die verschiedensten Länder immer neues Material in seinen dichterischen Kosmos hineinsaugt. Er braucht Material, er braucht Stoff. Er saugt ihn auf und er verarbeitet ihn in seinen Gedichten, aber auch in seinen Essays, also sowohl poetisch wie auch intellektuell. Das ist ein neues Modell – gerade vor dem Hintergrund der deutschen Tradition. Und deshalb habe ich das Stichwort „öffentliches Leben“ als Buchtitel gewählt. Mich hat Enzensberger besonders als die Figur interessiert, die sich einmischt, die engagiert ist, die aber auch Wissen über fremde Länder, naturwissenschaftliche Theorien und vieles andere verarbeitet. Das hatte es lange nicht gegeben. Es gab natürlich in der Zeit der Aufklärung gewisse Vorbilder dafür, wie z.B. Heinrich Heine und Georg Forster, den großen Reisenden und Revolutionär, der Ehrenbürger der Französischen Revolution geworden war. Man könnte noch viele andere Beispiele nennen. Aber es gibt niemanden außer Enzensberger, der das in dieser Systematik gemacht hat, was sich nicht nur in der Art spiegelt, wie er schreibt, sondern auch in dem, was er sonst noch alles unternommen hat: Er ist Übersetzer, er ist Herausgeber, er verlegt selbst Bücher, die diesen Interessen nahe kommen und sie spiegeln. Er ist so eine Art Agent im Literaturbetrieb, der versucht, dieses Anregende für andere bereit zu stellen: Die Gründung des „Kursbuches“ als neuer Zeitschrift in den 60er Jahren ist ein Beispiel dafür. Dieses „Kursbuch“ ist eine Art Literaturzeitschrift, wie es sie in Deutschland noch nie gegeben hatte: Es ging nicht nur um sog. schöne Literatur, sondern es wurden dort auch Abhandlungen über Strukturalismus, über Linguistik, über die Revolution in Kuba oder über Ökologie veröffentlicht. Was auch immer gerade ein wichtiges Thema war, wurde dort reflektiert. Es gab überhaupt nicht diesen Unterschied zwischen schöner Kunst und Sachthemen, Politik und Literatur, der in Deutschland ansonsten üblich war. Das wurde auf eine Weise miteinander vermischt, die damals revolutionär war. Da ist er für mich derjenige, der das personifiziert.

JOSÉ GALISI FILHO- Überleben durch geistige Beweglichkeit, Lust am Untergang und Umbruch, das Provisorium als Chance. Welche sind die Saisons dieses Provisoriums?

Jörg Lau - Ich glaube, dass Enzensberger so bekannt geworden ist für dieses provisorische oder essayistische Denken, hat auch Gründe in seiner Biographie: Denn sie müssen sehen, dass er zu der Generation gehört, die noch am Ende des Zweiten Weltkrieges als Jugendliche herangezogen wurde, zwar nicht mehr als reguläre Soldaten, aber entweder als Hitlerjungen oder als sog. Flakhelfer, um am Kriegsgeschehen teilzunehmen – in Deutschland nennt man das die Flakhelfergeneration. Diese Jugendlichen sind mit dem Nationalsozialismus aufgewachsen. Das sind ihre frühesten Erinnerungen. Sie sind entweder dadurch geprägt worden, dass sie selbst gläubig im Sinne des Nationalsozialismus waren oder dass ihr Umfeld, ihre Eltern, ihre Lehrer und die Institutionen völlig von diesem System geprägt waren. Ihr Erwachsen-Werden fiel zusammen mit dem Zusammenbruch dieses Systems. Und entweder wurde das als Schock erlebt, der zur Revision der eigenen Überzeugung Anlass gab, oder als Schock darüber, dass die gesamte Erwachsenenwelt einem solchen Wahnsinnssystem erlegen war. Daraus mussten nun Konsequenzen gezogen werden. Daher kommt dieses Moment der Unsicherheit des Gefühls, man könne sich im Grunde auf nichts verlassen, vor allen Dingen nicht auf Überzeugungen oder auf einen politischen Glauben. Für diese jungen Menschen in den ersten Nachkriegsjahren kam es darauf an, erst einmal die Welt neu zur Kenntnis zu nehmen. Es gab eine unheimliche Neugier auf die Welt, auf die literarischen, die kulturellen, die historischen Traditionen, die man als Kind nur durch diese Ideologie gefiltert kennen gelernt hatte. Diese Neugier wird von Vielen geschildert. Und der Essay war für Enzensberger als Form ein Mittel, in dem diese Art von Erkundung adäquat durchgeführt werden konnte, in dem die Kritik und die Erkundung der Welt miteinander verbunden werden konnten, in dem neues Wissen angeeignet werden konnte, ohne es gleich in ein System zu pressen. Es war ein Lernen im Medium der Kritik. Bei Enzensberger kommt dieses Essayistische verbunden mit einem tiefen Misstrauen gegen Überzeugungen, gegenüber Glaubenssystemen und auch gegenüber einer systematischen Philosophie. Das hat die Meisten in seiner Generation nicht interessiert. Und es gibt verschiedene Wege damit umzugehen: Es gibt den Habermas-Weg, eine Rekonstruktion der Vernunft, auch einen Weg durch die moderne Sprachphilosophie im Pragmatismus etc., den Weg Luhmanns, eine Art Systemtheorie auf Grund der Funktionen der modernen Gesellschaft, ihrer Teile, ihrer Funktionsteilung und Differenzierung, oder den Enzensbergerschen Weg des Experimentierens und Suchens. Das ist wichtig zu sehen, wenn man ihn als jungen Dichter betrachtet: Er musste sich die gesamte Moderne seit der Jahrhundertwende, die heute sog. klassische Moderne, selbst neu aneignen. Davon waren die Deutschen in Nazideutschland abgeschottet gewesen. Sie war als entartete Kunst überhaupt nicht verfügbar gewesen. Also hat er für sich selbst und für seine Generation im „Museum der modernen Poesie“ – so hatte er es genannt – eine Herausgabe der klassischen Moderne, und zwar von Lateinamerika bis nach Russland, vorgelegt und die großen Klassiker der Moderne gesammelt und übersetzt. Auf diese Weise hat er sich selbst erst eine Tradition geschaffen, in der er sich dann als Dichter weiterentwickeln konnte. Auch da ist diese Zerstörung und diese Stunde Null, die auch eine kulturelle Stunde Null war in Deutschland, und sie bildet die Voraussetzung für die Art, wie er sich selbst als Intellektueller verstanden hat.

JOSÉ GALISI FILHO- Das langsame Verschwinden der Personen in der Reihe der Revisionen und Debatten bildet für Sie einen „Lernprozess“. Wie funktioniert diese Dialektik?

Jörg Lau - Im Falle Kubas hat Enzensberger sich ja nicht ein einziges Mal in seinem Leben wirklich positiv festgelegt und engagiert. - Er war vorher immer der Kritiker und hat kritisiert, was ihm an der Nachkriegspolitik in Deutschland, an den politischen Parteien oder an den reaktionären Tendenzen in der Kultur nicht passte. Er hat sich nie positiv festgelegt für eine Partei oder für ein politisches Programm. Als 1968 die Studentenrevolte kam, war er eher ein Zuschauer, ein Beobachter, ein Mann, der am Rande stand und Sympathien hatte mit den Studenten, der aber nicht wirklich mitgemacht hat. Auch da war er skeptisch gegenüber dem Religiösen in dieser Bewegung, diesem Gläubigem. Der dogmatische Marxismus, der sich schnell herausbildete, war ihm unheimlich. - Die Sache mit Kuba erklärt sich so: Offenbar gab es eine Sehnsucht bei ihm, sich doch auch einmal festzulegen und mitzumachen. In Kuba sah er offenbar große Hoffnungen, dass ein Sozialismus unter Palmen in der Karibik Chancen hat, das gute Leben zu schaffen. Eine Chance, die er in Ostberlin und in Moskau nicht sah. Er hatte eine Sehnsucht nach der Utopie, die er vorher immer unterdrückt hatte, und die nun durchkam. Er dachte wirklich, er könnte nach Kuba gehen und der Revolution helfen, einen guten Start und ein gutes Leben zu schaffen. Sehr schnell hat er merken müssen, dass das ein Fehlglaube, ein Irrglaube war, denn in Wirklichkeit wurde er überhaupt nicht gebraucht. Man hat ihn eigentlich links liegen lassen. Was er wirklich in Kuba gesehen hat, war nicht sehr ermutigend gewesen: Es gab dort auch eine Welle von Unterdrückung gegen die Intellektuellen. Es war eigentlich sehr hoffnungslos. Und natürlich war das ein großer Schock für ihn, den er nur langsam in den 70er Jahren verarbeitet hat. Es war ein Schock für ihn, dass bei dem einen Mal, wo er sich politisch sehr weit aus dem Fenster gelehnt und engagiert hatte, er so falsch gelegen und ein Regime unterstützt hatte, dass eigentlich doch ziemlich kräftig war. Ich glaube, ja. Man hätte erwarten können, dass er jetzt schreibt, er käme aus Kuba zurück und hätte eine große Enttäuschung erlebt. Jetzt hätte er einen Bericht „Mein kubanisches Abenteuer“ über seine Hoffnungen und Enttäuschungen schreiben können und darüber, wie in Kuba das verraten wurde, wofür er glaubte kämpfen zu müssen, nämlich diesen freiheitlichen Sozialismus, den er glaubte dort zu sehen. Das hat er nicht gemacht. Man weiß nicht genau, warum. Aber wahrscheinlich hat er es auch aus Scham nicht getan, denn es ist nicht schön, solche Irrtümer zuzugeben, besonders wenn man ansonsten immer so skeptisch war und beiseite gestanden hat wie er. Und wenn man sich dann einmal engagiert hat, dann möchte man nicht gerne sein Tagebuch öffnen und alles offen legen und den eigenen Fehler eingestehen. Aber er hat das viele Jahre später in seiner Dichtung über der Untergang der Titanic verarbeitet. Das war das Symbol für diese gescheiterten Hoffnungen. Es hat aber sehr lange gedauert und war auch nicht direkt formuliert. Er neigt überhaupt nicht dazu, sich selbst zum Thema zu machen und von sich in der ersten Person zu sprechen, sondern er tut das durch Metaphern und Bilder.
Dann kam die Debatte um den Holocaust. Der Streit ging darum, dass Enzensberger ein Buch mit dem Titel „Politik und Verbrechen“ veröffentlicht hat. Dieses Buch sammelt Aufsätze zum Thema Politik und Verbrechen, also vom Terrorismus in Russland bzw. den Terroristen aus der Zarenzeit bis zur Atombombe als Thema. Und natürlich spielt die Zeit des Nationalsozialismus immer eine Rolle dabei, sie ist mindestens im Hintergrund ständig präsent. Nun wurde dieses Buch von der Zeitschrift Merkur Hannah Arendt zur Besprechung gegeben. Sie weigerte sich aber, es zu besprechen, weil sie der Meinung war, dass die Gleichsetzung von Politik und Verbrechen, die Enzensberger vornimmt, eine Relativierung der Nazi-Verbrechen bedeute. Enzensberger argumentiert im Grunde in dem Buch, dass es so etwas wie eine gleiche Ursprünglichkeit von Verbrechen und Politik gibt, dass im Grunde jedes Gemeinwesen auf einem Ursprungsverbrechen beruht. Er argumentiert mit Freud und dem Vatermord als Ursprung aller Zivilisation... und kommt am Ende auf die Atombombe zu sprechen. - Das war das große Thema Ende der 50er Jahre, Anfang der 60er Jahre. Das war das, wovor sich alle Menschen fürchteten und was die politischen Bewegungen auch am meisten beschäftigte, der Kampf gegen die Atombombe, und das, was man damals auch den nuklearen Holocaust nannte, der drohte. - Enzensberger macht in seinem Aufsatz über die Atombombe eine Gleichsetzung bzw. einen Vergleich, der sehr, sehr gewagt ist: Und zwar spricht er von Eichmanns Prozess in Jerusalem 61... In diesem Fall sagt er: In Jerusalem wird zwar Eichmann der Prozess gemacht, aber während wir jetzt über diese vergangenen Verbrechen zu Gericht sitzen, werden die nächsten fürchterlichen Verbrechen vorbereitet. Und die Atomrüstung ist das, was er da im Auge hat. Dafür wird man niemanden mehr in einen Glaskasten stellen und anprangern können, denn es wird zur totalen Apokalypse führen usw. Hannah Arendt hat sich fürchterlich geärgert über diese Analogie zwischen Eichmann und den Planern der Atombombe, weil sie der Meinung war, dass das nicht vergleichbar sei und die deutschen Verbrechen in ihrer Monströsität verharmlose und in ein Kontinuum von Politik und Verbrechen stelle, wo sie nur eine Episode bildeten in einer langen, langen Folge von Massakern, und das Spezielle und Bemerkenswerte an dem, was die Deutschen gemacht haben, verloren ginge. Darüber gab es einen Briefwechsel mit Enzensberger, der auch veröffentlicht wurde. Ich glaube, dass Hannah Arendt am Ende Recht behalten hat. Es gibt in diesem Vergleich der Bombe mit Auschwitz etwas wirklich Unangemessenes. Das ist etwas, was Enzensberger nicht sehen wollte und auch bis heute nicht sehen kann. Er hat mir, nachdem das Buch erschienen war, geschrieben und er ist immer noch der Meinung, dass...Man muss auch sehen, wie über diesen Eichmann-Prozess in Deutschland berichtet wurde und wie die Intellektuellen der Linken über diesen Prozess und auch über die damals beginnenden Auschwitz-Prozesse in Frankfurt gedacht haben. Da ist etwas ganz Unheimliches im Spiel, wenn man sich das von heute aus anguckt: Es wurde sehr dadurch abgewertet, dass gesagt wurde, es würden doch nur einzelne Figuren dafür haftbar gemacht, obwohl das Problem in Wirklichkeit strukturell und eines der deutschen Gesellschaft sei u.ä.. Man wollte gar nicht so genau hingucken, was da wirklich verhandelt wurde. Und das ist sehr, sehr merkwürdig. Man findet das auch in den Kommentaren von Habermas zu den Frankfurter Prozessen. Eigentlich hätte das ein starkes Interesse besonders bei den Intellektuellen auslösen müssen, denn die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus war für diese Generation sehr wichtig. Aber es war nicht so. In Wirklichkeit wurde das alles vom Tisch gewischt und abgewertet. Man sprach lieber über die Bombe. Und dann kam Vietnam als neues Thema. Ja, da ist ein Moment von Verdrängung sogar bei denen, die das selbst niemals akzeptieren würden, wenn man ihnen das vorhalten würde. Aber es ist so, wenn man sich diese Schriften anguckt. Psychologisch ist das auch verständlich, denn was man in diesen Prozessen zu hören bekam, war so fürchterlich, dass es schwer fällt, sich dem gleich zu stellen und zu sagen: „Ja, schauen wir mal genau hin.“ Es hat noch sehr lange gedauert, bis das möglich war, erst in den 80er Jahren, 90er Jahren. Damals in den 60er Jahren war niemand wirklich dazu fähig. Auch die Linke nicht. Und was das Thema Atombombe betrifft: Wenn man über die Bombe sprach, sprach man immer über Deutsche als mögliches erstes Opfer. Es wurde immer gesagt, wenn es zum Atomkrieg kommt, ist Deutschland das erste Opfer. Wahrscheinlich war das auch richtig. Tatsächlich lebten die Deutschen an der Konfrontationsstelle der beiden Blöcke. Aber es gab auch so eine Art Wunsch der Deutschen, aus ihrer fürchterlichen Täterrolle herauszukommen und sich selbst als Opfer des nächsten Krieges zu sehen. Das brachte psychologisch gesehen auch eine gewissen Entlastung. Da ist Enzensberger Teil dieser Strömung. Und Hannah Arendt hat das sehr genau bemerkt und hat ihm das vorgehalten. Er wollte das nicht anerkennen. Er will das bis heute nicht anerkennen. Aber ich glaube, sie hat Recht, sie hat das genau erkannt.

JOSÉ GALISI FILHO– Was ist die Bedeutung der Gruppe 47 in diesem Prozess?

Jörg Lau - Die Gruppe 47 war sehr wichtig für das Nachkriegsdeutschland in einer Art von Wiederholung einer Phase der deutschen Geschichte, in der die literarische Öffentlichkeit schon einmal eine Art Ersatzöffentlichkeit für politische Debatten war, die sonst nicht stattfanden. Das war beispielsweise zur Zeit der Aufklärung so, als in anderen europäischen Ländern schon wesentlich freier debattiert wurde. In Deutschland gab es noch keine wirkliche Pressefreiheit und trug man über die Literatur die politischen Debatten aus, die nicht stattfinden konnten. Nun war das in der jungen Bundesrepublik zum Teil ähnlich mit den Debatten über deutsche Identität, die deutsche Teilung und auch über den Nationalsozialismus. Sie wurden zunächst von den Literaten und in der Gruppe 47 besonders prononciert ausgetragen und die Literaten waren in dieser Hinsicht eine Art gesellschaftlicher Avantgarde, vielleicht zum letzten Mal. Das ist heute vorbei. Diese Funktion hat die Literatur nicht mehr in Deutschland, worüber man nicht unbedingt traurig sein muss, weil es viele Themen gibt, die eher in die politischen Seiten der Zeitungen und ins Parlament als in einen Dichterclub gehören. Aber dieser Club von Dichtern, die Gruppe 47, die musste sich damals auch als eine Art Salon sehen, in dem die wirklich wichtigen Dinge verhandelt wurden.

JOSÉ GALISI FILHO– Damals behauptete Enzensberger, es sei die Aufgabe der Lyrik gegen die banale Intention für ein abstrakt kollektives Subjekt zu sprechen, zwar gegen die Fantasie der Ohnmacht und Impotenz dieses Subjekts.

Jörg Lau - Das allgemeine Gefühl war Ohnmacht und daraus folgend fühlte man sich für alles zuständig. Es gehört zusammen: Ohnmacht und Allmachtsphantasie gehören in dieser Gruppe sehr stark zusammen. Man hat Resolutionen verfasst zu jedem innen- und außenpolitischen Thema, man hat Proteste eingelegt, man hat sich um Innen- wie Außenpolitik gekümmert. Und immer wieder und vor allen Hans Werner Richter, der die Gruppe im Grunde genommen über viele Jahre hinweg leitete, als treibender Kopf. Wenn man es im europäischen Zusammenhang betrachtet, war es auch eine Art Nachholen eines Verständnisses vom Dichter und Schriftsteller als politisch engagierter Persönlichkeit, die anderswo schon eine lange Tradition hatte, wie in Frankreich und England. In Deutschland gab es durch den Nationalsozialismus einen großen Rückschlag und jetzt schloss man an an diese freiheitlichen Traditionen des Westens, wo der Schriftsteller als Intellektueller für das Ganze sprach. Enzensberger hat das zum Teil immer wieder kritisiert und davor gewarnt, dass man sich zu sehr entferne von dem, was man könne. Man sei Dichter und nicht Fachmann für die verschiedensten Dinge. Aber zugleich hat er selbst am stärksten den sich überall einmischenden und engagierten Intellektuellen verkörpert.

JOSÉ GALISI FILHO– Der „Kursbuch 15“ verkündigte damals den „ Tod der Literatur“, seine Auflösung als Institution in Wirkungslosigkeit. Wie stand Enzensberger zur geistigen Strömungen der Epoche gegenüber?

Jörg Lau - Ja, da kommen verschiedene Dinge zusammen. Zum einen hat das politische Hintergründe: Das sind natürlich die 60er Jahre mit der ganz starken Politisierung der Studenten und auch –fast der ganzen Gesellschaft. In Deutschland war das das Ende der Adenauer-Zeit, in der ein guter Großvater mehr oder weniger patriarchalisch oder autoritär die Geschicke des Landes lenkte. Diese Zeit war zu Ende. Aber es gab noch keine neue Perspektiven. Es gab zur gleichen Zeit die großen internationalen Themen, die wichtig wurden, wie den Vietnamkrieg, die Rüstung und den kalten Krieg. Und es gab intern in der Literatur eine Entwicklung, die zu großen Selbstzweifeln führte, in dem man in Deutschland etwas verspätet die Moderne rezipierte in ihren Formexperimenten, in ihren Zweifeln an der Abbildbarkeit der Welt, in ihrem Zweifel am Autor. Fast parallel zu diesem Kursbuch hat in Frankreich Michel Foucault diesen Vortrag, diese Antrittsvorlesung gehalten „Was ist ein Autor?“, in der er genau diese Figur des Autors als eine Art von Illusion entlarvt, die dem Literaturbetrieb und dem bürgerlichen Subjekt usw. dient, die aber in der Literatur überhaupt gar keine Notwendigkeit ist. Er spricht ja da so etwas raunend von einer Literatur, die vielleicht ohne eine solche Kategorie wie den Autor auskommt, so eine Art – ja, ich weiß nicht, wie man es nennen soll – freien Diskurs, der ohne diese bürgerlichen Kategorien auskommt. Und all diese Einflüsse, die muss man sich dazu denken, um dieses Kursbuch zu verstehen. Ja, es gibt diesen Selbstzweifel der Literatur, der schon eine moderne Tradition ist, den schon die Dadaisten und die Surrealisten und ähnliche Bewegungen ja schon vorangetrieben haben. Es gibt diese Politisierung. Und in dem Moment mit sicherem Gespür macht Enzensberger dieses Kursbuch „Tod der Literatur“. Das war natürlich auch eine Kampferklärung an den Literaturbetrieb, dem er selber angehörte inklusive Gruppe 47. Er hatte den Eindruck: „Das bringt’s nicht mehr. Das führt zu nichts. Wir müssen direkter politisch tätig werden. Wir können uns nicht damit begnügen, bei unseren Dichtertreffen die Regierung zu kritisieren. Wir müssen das viel radikaler und grundsätzlicher machen. Und vielleicht müssen wir diese Sphären, die wir so vermischen, Literatur und Politik, wie das in der Gruppe 47 geschah, wieder deutlicher trennen. Dann machen wir eben politische Reportagen und schreiben Gedichte vielleicht, wenn wir überhaupt welche schreiben, die nur noch dem eigenen Gesetz der Literatur folgen. Aber wir sollten uns nicht der Illusion hergeben, dass ein politisches Gedicht die Welt verändern kann- verstehen Sie. Und das wurde ganz stark vorgetragen in diesem Kursbuch mit einer Kritik am Literaturbetrieb, aber auch einer Kritik dessen, was man so den bürgerlichen Intellektuellen nannte. Und es war schon eine Implikation dabei, dass man sich vorstellte, der Intellektuelle sollte direkter in die Klassenkämpfe eingreifen, sollte sich entschiedener entweder sozusagen als eine Art Ingenieur der neuen Gesellschaft verstehen und heraus aus dem Elfenbeinturm und so. Und diese ganzen Momente gab es dabei auch. Die Ironie dabei ist - für Enzensberger gesprochen-, dass er zwar zu den radikalsten Kritikern des bürgerlichen Schriftstellers gehörte und man von diesem Kursbuch her gesehen den Eindruck bekommen konnte, Enzensberger wird nie wieder dichten, Enzensberger gibt diese Seite auf in seinem Leben, er will jetzt nur noch der Revolution dienen oder so. Gut danach ging er ja nach Kuba. In Wirklichkeit schreibt er aber in dieser Zeit sehr wohl weiter Gedichte und einige seiner besten – finde ich – entstehen in dieser Zeit, in der er offiziell völlig zweifelt am Sinn der Literatur. Und das sieht man dann in den 70er Jahren, wenn diese Gedichte auch veröffentlicht werden. Offenbar hat dieser Selbstzweifel an dem Sinn der politischen Literatur ihn zu sehr guten Gedichten angespornt.

JOSÉ GALISI FILHO– Wie formalisiert sich das Verhältnis im Werk zwischen dem Dichter und Essayist Enzensberger mit Adornos Erbe?

Jörg Lau - Erst mal für die jüngeren Jahre, für die ersten Jahre, in denen Enzensberger berühmt wurde durch seine kulturkritischen Essays kann man sagen, im Grunde hat er die Gedanken, die Adorno formuliert hat schon in der „Dialektik der Aufklärung“ in der Kritik der Kulturindustrie, die hat Enzensberger angewendet und in gewisser Weise populär gemacht. Die beiden kennen sich seit langem; Ihre Korrespondenz geht zurück bis auf Enzensbergers Zeit beim Süddeutschen Rundfunk, vor nun fast schon zehn Jahren Er hat doch gezeigt, dass man mit dieser kritischen Haltung von Horkheimer und Adorno, dass man damit wirklich arbeiten kann, dass man damit im konkreten Material, das sich jetzt bietet für einen Intellektuellen, der die Gesellschaft beobachten und darstellen will, dass sich da tatsächlich arbeiten lässt mit diesen Theorien. Also z..B. hat Enzensberger das ja gemacht für den Tourismus. Das hätte Adorno gar nicht anders, besser schreiben können. Das ist im Grunde angewendeter Adorno. Oder dann nehmen Sie die Taschenbuchproduktion, das Medium Taschenbuch, „Die Sprache des Spiegels“. Und das war sehr inspirierend auch für die Intelektuellen, die auch fasziniert waren durch diese Immigranten, die zurückgekommen waren, und diese Art von Kritik eingeführt haben – muss man sagen – wieder eingeführt haben, die in Deutschland ja vergessen worden war. Im Grunde ein Geist, der aus der 20er, 30er Jahren wieder in die deutsche Öffentlichkeit kam. Und insofern kann man sagen, Enzensberger war damals eine Art Schüler, ohne dass er sich als Schüler verstand oder dass er sich so bezeichnet hätte. Er hat das angewendet und auf eine sehr eigene und kreative Art. Dann gab es natürlich einen Bruch in der Zeit, über die wir schon geredet haben: Und das sind die mittleren 60er Jahre. Das ist der Moment auch dieses Kursbuches vom Tod der Literatur. Da sind zwar Motive drin von Adorno. Was Adorno über Beckett gesagt hat über dieses„Endspiel“. Da ist ja auch dieses Zweifeln an der Literatur ganz stark, das Zweifeln an eine Kunst, die irgendwie die Wirklichkeit darstellen will, auf eine direkte Art, die irgendeinen versöhnenden oder belehrenden Schluss haben will. Das haben die junge Leute wie Enzensberger damals gelernt bei Adorno: diesen Zweifel an der Literatur. Insofern kann man sagen, geht das schon in der Richtung, die Adorno vorgegeben hatte, aber Adorno wäre niemals bereit gewesen die Literatur oder die Kunst generell in dieser scharfen Weise zu kritisieren und für erledigt zu erklären. Für Adorno war doch die Kunst... die bürgerliche vielleicht ja, aber vielleicht – sagen wir - die moderne Kunst, die Musik nach Schönberg oder auch die Literatur nach Beckett: Das war auch doch für Adorno die letzte Hoffnung. Also da könnte gewissermaßen eine Hoffnung überleben gerade in dem Moment der Verzweiflung und der Sinnverweigerung. Das ist doch das bleibende Motiv bei Adorno, dass er sagt, im Beckett, in dem er gerade die Unmöglichkeit von Sinn, von Glück und Identität beschreibt. Gerade indem er das so beschreibt, wie er es tut im „Endspiel“ oder in „Warten auf Godot“ hält er daran fest an dieser Dialektik. Und das hat Enzensberger in dem Moment völlig negiert. Er hat im Grunde gesagt: „Nein, die Kunst ist vorbei und jetzt müssen wir uns direkt politisch auch engagieren. Er hat da gebrochen mit Adorno, wie überhaupt die ganze Studentenbewegung, die unzufrieden war mit der kritischen Theorie, weil die Kritische Theorie ihr keine guten Gründe für ihr politisches Handeln lieferte, weil die Kritische Theorie zu sehr in dieser Dialektik, wie man damals fand, erstarrt war und das direkte Handeln kritisierte. Da haben sich die Wege getrennt, würde ich sagen. Und das hat Adorno ja auch sehr bedrückt, dass die Stundeten jetzt glaubten, sie können eben jetzt doch die Revolution machen und sie können die gute Welt doch schaffen. Es wurde eine Vorlesung von Adorno gestürmt, und dann kam es zu dieser für Adorno schrecklichen Szene, dass dort junge Frauen ihre Brüste zeigten, um ihn zu provozieren. Und er, Adorno, galt plötzlich als bürgerlicher Intellektueller, der nicht genug tut für die Revolution und – weiß der Teufel was. Und er hat sogar die Polizei einmal gerufen, um... Ich glaube, es ging darum: Das Institut war besetzt worden in Frankfurt und er hat die Polizei gerufen, um es räumen zu lassen. Und das haben ihm die Studenten nie verziehen und er hat den Studenten nie verziehen, dass er behandelt wurde wie ein Gegner, wie einer von den verhassten bürgerlichen Intellektuellen, dass man sich über ihn lustig machte. Und Enzensberger war zwar nicht auf der Seite dieser Studenten, er war ja auch eine Generation älter als die Studenten, die diese Aktionen machten. Aber man muss sagen, was er in dem Kursbuch gemacht hat und was er in seinem eigenen praktischen Engagement gemacht hat, also diese Geschichte in Kuba, das war mit Adornos Vorstellung von der Funktion eines Intellektuellen nicht mehr zu vereinbaren. Da war ja auch der Bruch zwischen Habermas und Enzensberger und den Studenten. Habermas hat ja auch diese Aktionen damals, die zum Teil gewalttätig waren, nicht gut geheißen und hat sogar von linkem Faschismus gesprochen, was er erst später wieder zurückgenommen hat. Aber das ist genau dieser Bruch von der Kritischen Theorie, die den Intellektuellen als Kritiker sieht, zu den jungen Leuten, die den Intellektuellen, den bürgerlichen Intellektuellen kritisierten und die selber Aktivisten werden wollten und hier und jetzt die Revolution. Und da muss man sagen, hat Enzensberger für eine Zeit lang auf der Seite der Studenten gestanden, mindestens hat er damit sympathisiert und hat sich dort also von Adorno und von der Kritischen Theorie sehr stark entfernt. Man kann sagen, in seinem späteren Leben, also z.B. 1998, da hat er etwas veröffentlicht in der Los Angelos Times, da ging es um 150 Jahre Kommunistisches Manifest, da ging es darum zu sagen: was bleibt von Marx 150 Jahre nach dem Kommunistischen Manifest? – und da schreibt er über Marx in einer Weise, die ist doch eigentlich wieder sehr so wie in den frühen Jahren und ist ganz in der Linie von Adorno. Und vielleicht hat er sich da im Alter wieder zurück bewegt und hat durch seine Selbstzweifel auch sein eigenes Engagement Ende der 60er Jahre relativiert. Insofern würde ich sagen, ist dieser Bruch vielleicht wieder ein bisschen gekittet worden. Aber es gab diesen Bruch, den er formalisiert hat. Hommage an Adorno mit dem Titel schwierige arbeit. Die beiden Texte stehen in einem engen Verhältnis: Adorno nach dem Ende von Fortschrittsglauben und Utopie - der legitime Erbe des Marxschen Denkens. Und entsprechend betrachtet Enzens¬berger Marx durch die Brille von Adorno: »ich seh dich verraten / von deinen anhängern: / nur deine feinde / sind dir geblieben: ich seh deingesicht / auf dem letzten bild / vom april zweiundachtzig: / eine ei-serne maske: / die eiserne maske der freiheit.« Was bleibt, wenn der Marxismus durch den Verrat seiner Anhänger in maskenhafter Starre endet? Nichts als jene schwierige arbeit, die sich bei Adorno lernen lässt, wie Enzensberger sagt: »geduldig / festhalten den schmerz der negation / einge¬denk der ertrunkenen in den vorortzügen um fünf uhr früh / gedul¬dig / ausfalten das schweißtuch der theorie / ... / geduldig / im namen der verzweifelten / an der Verzweiflung zweifeln / ungeduldig gedul¬dig / im namen der unbelehrbaren / lehren«. Enzensbergers Gedicht ist für mich ein sehr höchst respektvolles Por¬trät. Das Porträt setzt, bei aller Ehrerbietung, einen Schlußpunkt: Der Schüler, der sich herausnimmt, seinen Lehrer zu porträtieren, hört auf, ein Schüler zu sein. Adorno ist kein Modell mehr für Enzensberger, und bald wird auch sein Einfluß auf die intellektuellen Nach¬wuchskader zurückgehen, die jetzt noch eifrig bemüht sind, seinen Stil nachzuahmen. Es brechen aufgeregte Zeiten an, in denen sich keiner mehr damit begnügen möchte, geduldig den Schmerz der Ne¬gation festzuhalten.

JOSÉ GALISI FILHO– Der Abschied der kubanischen Erfahrung signalisiert zugleich den Abschied der Avantgarden ab Mitte der 60er Jahre. Wie versteht Enzensberger die Aporien dieses Prozesses?

Jörg Lau - Also zunächst mal – darauf habe ich ja schon hingewiesen – war er derjenige, der geholfen hat die künstlerische Avantgarde, die klassische Avantgarde in der Literatur in Deutschland wieder heimisch zu machen. Es war eine Art Wiedereinbürgerung der zum Teil vertriebenen Dichter, aber auch derjenigen, zu denen man den Kontakt abgebrochen hatte, weil die Entwicklungen, die in der spanischsprachigen Welt, in der englischsprachigen Welt, in der französischen Literatur vor sich gegangen waren in den 20er und 30er Jahren, diese Entwicklungen, von denen waren die Deutschen lange abgeschnitten, mindestens in der Zeit des Nationalsozialismus. Und Enzensberger hat angefangen, dass wieder ins Bewusstsein zu heben. Und er hat in seiner eigenen Literatur, die er selbst geschrieben hat vor allem in seinen Gedichten auch daran angeknüpft. Was die deutsche Tradition betrifft, eben an Brecht und Benn als seine beiden Paten – kann man sagen. Und dann ist im Sinne der Avantgarde, im umfassenderen Sinne, in dem man von Avantgarde sprechen kann, wenn man darunter jetzt nicht nur die künstlerische Seite sieht, sondern Avantgarde im Sinne von gesellschaftlicher Vorreiterrolle der Künstler und Intellektuellen: Da hat Enzensberger eine Entwicklung durchgemacht, die wahrscheinlich auch durch die Dinge, über die ich schon gesprochen habe, sein eigenes Engagement und die Enttäuschungen, die er erlebt hat, zu einer großen Skepsis auch geführt hat, ob es denn wirklich so ist, dass die Intellektuellen und die Künstler die Avantgarde in einer Gesellschaft sind. Das wird er wohl heute sehr viel skeptischer beantworten, als er das in den 50er Jahren selber praktiziert hat. Also er glaubt, dass das auch eine Selbsttäuschung der Schriftsteller ist sich vorzustellen, dass sie die Avantgarde seien und dahinter trottet die Gesellschaft her. Er hat einen Aufsatz geschrieben –, das war schon relativ früh, ich meine, das ist schon Anfang der 60er Jahre gewesen -, wo er diese ganze Metapher der Avantgarde, die ja aus dem Militärischen kommt - die Avantgarde ist die Vorhut einer Truppe, die das Gelände erkundet und dann kommt das Fußvolk -, wo er diese ganze Metaphorik schon stark kritisiert. Er hat als einer der ersten unter den deutschen Intellektuellen angefangen zu beobachten und zu fragen, wo ist denn vielleicht die Gesellschaft in ihrer Diversität, in ihren vielen Gruppen und vielen differenzierten Bereichen schon weiter als die Intellektuellen und wo ist dieser Anspruch, Avantgarde zu sein, vielleicht völlig vermessen. Ist nicht die Literatur vielleicht mit Luhmann - könnte man sagen – ein System unter anderen, das überhaupt gar nicht vorne ist, sondern dass sie nur eine ganz spezielle Art und Weise ist, Dinge zum Thema zu machen und zu beobachten. Eine besondere Art, eine besondere Perspektive oder – sagen wir - eine besondere Wertsphäre, um im Jargon der Soziologie zu sprechen, aber nicht ein System, das über alles Bescheid weiß. Und sozusagen die Vorstellung, man müsste nur den Dichtern die Macht geben, dann würde alles gut in der Gesellschaft, von der hat er sich völlig verabschiedet. Und manche seiner Kollegen haben aber diese Idee noch immer. Also wenn man z.B. Günther Gras nimmt: Günther Gras hat ein ganz ungebrochenes Verhältnis zu diesem Avantgardebegriff und er sieht sich mit Sicherheit als jemanden, der vorne weg ist oder der von einem besonders hohen Punkt aus die Gesellschaft beobachtet und den Überblick hat und zu jedem Thema einen Kommentar geben kann und am besten wäre es, es würde sofort auch befolgt, und dann würde alles gut in Deutschland und der Welt. Enzensberger spricht nicht so. Enzensberger spricht viel skeptischer über seine eigene Position.

JOSÉ GALISI FILHO- Im Rahmen der Besprechung des Gedichtbandes "Der Untergang der Titanic" widerstehen Sie der Versuchung, diese etwaige Schwäche irgendwo in seinem Privatleben aufzuspüren, und geben sich damit zufrieden, dass der Dichter selbst im "Dreiunddreißigsten Gesang" des Bandes sich über die eigene Souveränitätsgeste mokiert, "über den absurden Wunsch, selbst auf verlorenem Posten immer alles unter Kontrolle zu halten." Können Sie diesen Zusammenhang mehr erläutern?

Jörg Lau - Dieses zentrale Bild, um das das Buch kreist, also der bekannte Vorfall Untergang der Titanic, das hat viele Dimensionen in diesem Buch. Zum einen liegt es ja ganz auf der Hand: Es passt zu diesem... Es ist in den 70er Jahren geschrieben worden, Der Hintergrund ist worauf ich schon hingewiesen habe: Enzensbergers persönliche Enttäuschungen mit diesem kubanischen Experiment, aber in den 70er Jahren gab es ja noch andere Gründe für Skepsis und Pessimismus: Das war das ganze Thema der Ökologie. Sie erinnern sich an den Bericht des Club of Rome, der damals großes Aufsehen erregte. Da ging es um die schwierige Zukunft der ganzen industriellen Welt, die Ressourcen. Man hatte apokalyptische Ängste, dass Umweltverschmutzung und – was weiß ich – das Ende der natürlichen Ressourcen und die Rüstung usw., dazu führen könnten, dass dieses ganze System der westlichen Welt im Grunde in seinen eigenen Untergang schlittert. Und auch dafür war die Titanic das Bild. Das war gewissermaßen die Ankündigung des Untergangs: Ein Schiff, das angeblich unsinkbar ist, und in dieser schnellen Fahrt dann einem Eisberg zum Opfer fällt. Und der Untergang, von dem die Rede ist, der ist ein möglicher Untergang großer Hoffnungen, die sich auf die Politik beziehen, aber es ist auch der persönliche Untergang Enzensbergers, der in seinem kubanischen Erlebnissen – er hat das Buch ja angefangen in Kuba zu schreiben – sein ganzes persönliches Glaubenssystem auch untergehen sieht. Und aus diesem Untergang versucht er eine neue Hoffnung zu begründen, die aber nicht wieder irgendwie ein anderes System jetzt einfach ist, sondern reflektiert, was eigentlich passiert ist in diesem Untergang. Also es kreuzen sich in diesem Buch Linien aus der gesellschaftlichen Debatte der Zeit der 70er Jahre, diese apokalyptischen Ängste damals, persönliche Erfahrungen von Enzensberger mit seinen eigenen gescheiterten Hoffnungen. Und es ist eigentlich eine hochartifizielle Verarbeitung dieser Zeitstimmungen damals auch. Eine wirkliche Untergangsstimmung war ja da. Also es gab - vielleicht auch noch wichtig zu erwähnen - in Deutschland das Thema des Terrorismus. Man hatte auch den Eindruck... Ja, ja. Und es typisch für Enzensberger: Er nimmt das Thema dieser Apokalypse auf, aber er gibt ihm auch einen ironischen Dreh. Er macht eben Kunst daraus. Das ist wahrscheinlich sein bestes Buch und sein größtes Kunstwerk – kann man sagen -: Diese Dichtung, in der ja ganz verschiedene Stimmen auch sprechen. Das wird ja auch zum Teil auf der Bühne aufgeführt, dieses lange Gedicht, was sich sehr anbietet, weil es verschiedene Sprechweisen gibt, verschiedene Stimmen. Man kann das durch verschiedene Sprecher und Chöre auch vortragen lassen. Es hat etwas sehr Musikalisches, es hat etwas sehr Anschauliches.

JOSÉ GALISI FILHO- Wie bewerten Sie die These des molekularen Bürgerkriegs in bezug auf Brasilien?

Jörg Lau - Also ich habe das so verstanden, dass er eigentlich so sieht... Es war ja eine Pointe bei dieser Bürgerkriegstheorie, dass dann diese merkwürdig starre und geordnete Welt in Westeuropa, in Deutschland im Besonderen, die ja im Grunde ein Effekt des Kalten Krieges war, also einer Konfrontation von planetaren Ausmaßen,... dass diese geordnete Welt im Grunde längst zusammenbricht und dass Elemente von - aus unserer Sicht in Westeuropa gesprochen – Unordnung, wie man sie in anderen Gesellschaften längst kennt, bei uns auch dann Einzug halten. Also z.B. diese Formen von Gewalt, die er dort beobachtet, die überhaupt nichts mehr zu tun haben mit früheren Formen von politischer Gewalt, wo man einen bestimmten Sinn erkennen kann, wo Leute etwas erreichen wollen, wo es um etwas geht. Diese Gewalt, die er beobachtet, in diesen sog. molekularen Bürgerkriegen, die sich auch in... Nehmen Sie einfach mal, was gestern nacht passiert ist hier in Berlin zum 16. Mal: der 1.Mai. Diese Art von Gewalt, die würde – glaube ich – Enzensberger so dazu zählen. Das ist etwas Elementares, was überhaupt keinen Sinn hat in der klassischen Vorstellung von – was weiß ich – Straßenkampf in den 20er Jahren, wo es um bestimmte politische Ziele ging. Das ist eine... Es ist tatsächlich so ein bisschen wie eine Befreiung der Triebe und eine Enthemmung. Und man kann ähnliche Phänomene in diesen Gesellschaften beobachten. Und er hatte – glaube ich – damals den Eindruck,.. Das war auch... Es gab auch eine... Dies hier wird ja sozusagen links wahrgenommen, denn es sind sog. Autonome und linksradikale Kräfte, die das veranstalten. Aber Anfang der 90er Jahre waren die schlimmsten Gewalttaten, die wir erlebt haben, rechts orientiert, also Fremdenhass. Sie erinnern sich an die Attacken gegen die Asylantenheime und... Genau, Rostock. Und diese Phänomene hatte Enzensberger damals im Blick, als er diese These vom molekularen Bürgerkrieg aufstellte. Und ich glaube, diese Momente von Unordnung, Anomie oder wie man es nennen will, in denen hat er Dinge wiedererkannt, die er dann auf Reisen anderswo schon kennen gelernt hatte, auf seinen Reisen in sog. Entwicklungsländer oder in der sog. Dritten Welt. Und er hatte den Eindruck, dass das im Zentrum unserer Welt auch zu einem bestimmenden Faktor wird. Und... Ja, es gab einen Streit darum, ob diese Diagnose zutreffend ist. Ich glaube, er hat es etwas übertrieben. Aber zweifellos kann man solche Phänomene wie z.B. die... Ja, er hat auch noch Al Quaida in diesem Zusammenhang gesehen. Da bin ich nicht ganz so sicher, weil er meint ja, die Überzeugungen, die diese Leute vorgeben zu haben, die sind gar nicht so wichtig. Im Grunde seien das auch Nihilisten. Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass ist ein Missverständnis, eine Fehldeutung. Dieses Selbstmordattentat, es ist nicht die reine Todessehnsucht, die diese Leute treibt, sondern die arbeiten schon für gewisse Ziele. Naja, politisch nicht in dem klassischen Sinne, dass man darüber auch verhandeln könnte oder dass das auch Teil eines Parteiprogramms sein könnte. Das nicht. Es ist ein wirklicher Angriff auf das Herz unserer Vorstellungen von Politik und von Verhandlungen, von Politik, die man überhaupt in institutioneller Form betrieben kann. Es wird auf das Herz davon gezielt, auf das Vertrauen überhaupt in Gesellschaft. Das Ziel ist schon, Panik auszulösen. So ähnlich wie... Insofern berührt sich das mit dem nihilistischen Terrorismus: Man möchte den Staat dazu provozieren sich so zu zeigen, wie er angeblich im Kern schon ist. Also man möchte damit etwas zum Vorschein bringen. Aber ich glaube, dass man das unterscheiden muss von diesen Formen von Gewalt wie – sagen wir – hier am 1.Mai oder in irgendwelchen U-Bahnen oder auch vom rechtsradikalen Terrorismus in Deutschland. Also es schien mir etwas zu sehr in einen Topf geworfen. Aber man muss sagen, also Enzensberger ist einer der ersten, die überhaupt erkannt haben, dass das ein wirkliches, gravierendes Problem unserer Gesellschaft ist, diese neue Welle der Gewalt, und dass das eine andere Form von Gewalt ist, als man sie früher kannte.

JOSÉ GALISI FILHO- Warum ist die Figur Diderots nicht einmal in Ihrer Biographie am Rande behandelt?

Jörg Lau - Das ist eine Frage zu meinem Buch? Warum ich diese Dinge nicht so behandele? Ja, also ich... Zur Folie des Verschwindens – glaube ich - habe ich einiges gesagt. Ich habe manche Dinge weggelassen, das ist richtig. Ich habe über Diderot nicht viel gesagt, außer dass er das auch übersetzt hat und so. Und in der Tat kann man sagen, ist Diderot natürlich ein großes Modell auch für ihn, gerade der Herausgeber der Enzyklopädie und der auch Verleger war und auch Übersetzer und so. Das ist richtig. Das kann man kritisieren. Da hätte man vielleicht mehr daraus machen können. Mir kam es ja darauf an, in dem Buch vor allen Dingen zu zeigen, wie Enzensberger als ein deutscher öffentlicher Intellektueller in diesen vorhandenen Rollen, die es gibt für deutsche Intellektuelle, agiert, wie er das verändert, wie er das neu definiert. Und da musste ich dann irgendwo auch Dinge einfach vernachlässigen. Überhaupt ist es so, ich habe erst bei der Arbeit für das Buch bemerkt, dass er noch viel mehr gemacht hat, als ich ohnehin schon dachte, und dass es eine unendliche Menge von Material gibt, über das man endlos reden könnte. Also die vielen, vielen Dinge, die er in den Zeitschriften gemacht, die er herausgegeben hat, die er übersetzt hat: Es ist fast unerschöpflich.

ARTE Dokumentation Mein Leben - Hans Magnus Enzensberger

A "Ordem" e o "Progresso" - O poeta hegeliano Hans Magnus Enzensberger relê o ícone pop do positivismo republicano*

ERSTER GESANG

Einer horcht. Er wartet. Er hält
den Atem an, ganz in der Nähe,
Her, Er sagt: Der da spricht, das bin ich.

Nie wieder, sagt er,
wird es so ruhig sein,
so trocken und warm wie jetzt.

Er hört sich
in seinem rauschenden Kopf.
Es ist niemand da außer dem,

der da sagt: Das muß ich sein.
Ich warte, halte den Atem an,
lausche. Das ferne Geräusch

in den Ohren, diesen Antennen
aus weichem Fleisch, bedeutet nichts.

Es ist nur das Blut,

das in der Ader schlägt.
Ich habe lang gewartet,
mit angehaltenem Atem.

Weißes Rauschen im Kopffhoerer
meiner Zeitmaschine.
Stummer kosmischer Lärm.

Kein Klopfzeichen. Kein Hilfeschrei.
Funkstille.
Entweder ist es aus,

sage ich mir, oder es hat
noch nicht angefangen.
Jetzt aber! Jetzt:

Ein Knirschen. Ein Scharren. Ein Riß.
Das ist es. Ein eisiger Fingernagel,
der an der Tür kratzt und stockt.

Etwas reißt.
Eine endlose Segeltuchbahn,
ein schneeweißer Leinwandstreifen,

der erst langsam,
dann rascher und immer rascher
und fauchend entzweireißt.

Das ist der Anfang.
Hört ihr? Hört ihr es nicht?
Haltet euch fest!

Dann wird es wieder still.
Nur in der Wand klirrt
etwas Dünngeschliffenes nach,

ein kristallenes Zittern,
das schwächer wird
und vergeht.

Das war es.
war es das? Ja,
das muß es gewesen sein.

Das war der Anfang.
Der Anfang vom Ende
ist immer diskret.

Es ist elf Uhr vierzig
an Bord. Die stählerne Haut
unter der Wasserlinie klafft,

zweihundert Meter lang,
aufgeschlitzt
von einem unvorstellbaren Messer.

Das Wasser schießt in die Schotten.
An dem leuchtenden Rumpf
gleitet, dreißig Meter hoch

über dem Meeresspiegel, schwarz
und lautlos der Eisberg vorbei
und bleibt zurück in der Dunkelheit.

Canto primeiro

Alguém escuta. Espera. Prende
o fôlego, bem perto,
aqui. E diz aquele que fala sou eu.

Nunca mais, diz ele,
será tão calmo,
tão seco e quente como agora.

Ele se escuta
em sua cabeça rumorejamnte.
Não há ninguém aqui além

de quem diz sópode ser eu.
Eu espero, prendo o fôlego,
escuto. O ruído ao longe

Nos ouvidos, essas antenas
de carne tenra, nada significa.
É apenas o sangue

que bate nas veias.
Esperei muito tempo,
com o fôlego preso.

Rumor branco nos fone
de minha máquina do tempo.
Muda estática cósmica.

Ninguém bate à porta nem grita por socorro.
O rádio, mudo.
Ou já terminou,

digo a mim mesmo, ou
ainda não começou.
Agora sim! Lá vai

Um rangido. Um raspar. Uma rotura.
Aí está. Uma unha glacial
que arranha a porta e estaca.

Algo se rasga.
Uma lona de vela infinda,
uma tira de tela branca como a neve,

primeiro devagar,
depois rápido, sempre mais rápido
e sibilante rasga-se em dois.

Esse é o início.
Vocês ouvem Não ouvem
Segurem-se firme!

Então volta o silêncio.
Só nas paredes
ouve-se um tênue tilintar,

um tremor de cristal
que se torna fraco
e se esvai.

Foi tudo.
Tudo, foi É,
só pode ter sido.

Esse foi o início.
O início do fim
é sempre discreto.

São onze e quarenta
a bordo. Há uma fenda
de duzentos metros

sob a linha de flutuação
na pele de aço, talhada
por uma faca inconcebíbel.

A água aflui às anteparas.
trinta metros acima do
nível do mar, negro

e silente, desliza o iceberg
Junto ao casco luzidio
e desaparece na escuridão.

Tradução José Marcos Mariani de Macedo. O Naufrágio do Titanic uma Comédia. São paulo, Companhia das Letras, 2000, pp. 11-13.



Razões adicionais para os poetas mentirem

Porque o momento
no qual a palavra feliz
é pronunciada,
jamais é o momento feliz.
Porque quem morre de sede
Não pronuncia sua sede.
Porque na boca da classe operária
Não existe a palavra classe operária.
Porque quem desespera
Não tem vontade de dizer:
“Sou um desesperado”.
Porque orgasmo e orgasmo
Não são conciliáveis.
Porque o moribundo em vez de alegar:
“estou morrendo”
só deixa perceber um ruído surdo
que não compreendemos.
Porque são os vivos
Que chateiam os mortos
Com suas notícias catastróficas.
Porque as palavras chegam tarde demais,
Ou cedo demais.
Porque, portanto,é sempre um outro,
Sempre um outro
Quem fala por aí,
E porque aquele
Do qual se fala
se cala.”

Tradução Armindo Trevisan e Kurt Scharf. “Eu falo dos que não falam”. Brasiliense Instituto Goethe, São Paulo, 1985, p. 90-91.



A classe dos filósofos

Qe somos inteligentes, é verdade. Mas longe
De transformar o mundo, tiramos no palco
Coelhos de nosso cérebro, coelhos e pombos,
Bandos de pombos brancos como a neve, que cagam
Sem parar em cima dos livros. Que a razão seja razão
E não razão, para sacar isso,
A gente não precisa ser Hegel, para tanto basta
Uma olhadela no espelho de bolso. Este nos mostra a nós
Em casacões azuis, flutuantes, bordados
Com estrelas prateadas e nas cabeças
Chapéus pontiagudos. Reunimo-nos, no porão,
Onde estão os arquivos mortos, para um congresso sobre Hegel,
E vamos ao trabalho. Abanamos
Pareceres, pêndulos, pesquisas,
Fazemos moverem-se as mesas, perguntamos:
Que grau de realidade tem a realidade? Malicioso,
Hegel sorri. Pintamo-lhe um bigode.
Já se parece com Stalin. O Congresso
da dança. Por toda a parte nenhum vulcão. Discretos,
Os guardas estão estão de guarda. Tudo tranqüilo,
Nosso aparelho psíquico faz sair, como O cacete da mochila
Dos irmãos Grimm, frases que acertam, e nós nos dizemos:
Dentro de cada tira brutal há, sim,
Um amigo compreensivo que dá proteção,
Dentro do qual há um tira brutal. Abracadabra.
À guisa de um enorme lenço, desdobramos
A Teoria, enquanto diante do seminário, feito um bunker,
Aguardam, modestos, os senhores de gabardina.
Fumam, usam pouco as armas de serviço,
E cuidam dos cargos oficiais, das flores de papel,
E da sujeira dos pombos que cobre tudo, branca como a neve.



Tradução Armindo Trevisan e Kurt Scharf. “Eu falo dos que não falam”. Brasiliense Instituto Goethe, São Paulo, 1985, p. 102-103.

Hans Magnus Enzensberger completou setenta anos e meio século de poesia. No retrospecto de sua carreira, fecha-se um ciclo de estatura clássica, que se espande por todos os quadrantes do continente literário: poeta, dramaturgo, tradutor, organizador de antologias notáveis, entre as quais o “Museu da Poesia Moderna”, editor da revista “Kursbuch” nos sessenta e da “Trans-Atlantik”, no início dos noventa, mas sobretudo o ensaísta de “Detalhes” (1962), “Política e Crime” (1964), “Mediocridade e Loucura” (1988) e dos dois manifestos fundadores de nosso horizonte intelectual: “Guerra Civil” e “A Grande Migração” (1993).

No meio da fogueira da Guerra de Secessão da Iuguslávia, Enzensberger dava forma, numa prosa concisa, à nova subjetividade balcanizada do presente, liberando um olhar sobre o autismo da "guerra civil molecular" nas metrópoles do mundo.
Se o pensamento dialético critica aquilo de que se afasta, “Guerra Civil” era regido por esse movimento duplo: o desaparecimento das categorias tradicionais de análise, enraizada no território pantanoso dos clichês morais da noção esclarecida de sujeito e sua confiança num progresso automático e abstrato da espécie, trazia, em seu refluxo, a quebra de uma última reserva intelectual na forma de um contrasenso: o nexo objetivo de dependência entre a miséria e a prosperidade evaporava-se diante de nossos olhos neste novo estágio do capital, o que significa que três quartos da humanidade estão condenados ao extermínio lógico, ou constituem, no mínimo, um “resto” sem sujeito. Como todos sabemos, esse pensamento não encontrou ainda uma forma conceitual e nem tampouco expressão lírica.

Essa é, portanto, a figura e a forma da lírica tardia de Enzensberger a partir dos anos setenta, depois de sua experiência cubana: a tematização da dialética do progresso, que supera e eleva hegelianamente o "fim", deslocando-o interminavelmente na imanência reflexiva da "coisa" (Sache) e também a matriz de sua relação eletiva com o “topoi” chave da antiga Teoria Crítica. Se Adorno e Horkheimer tematizavam em sua “Dialética do Esclarecimento” nos anos quarenta o momento regressivo desse progresso, Enzensberger compreende-o como a reversão permanente, na forma de uma peripécia dramática, das expectativas que circulam, por um lado, entre a imobilidade do eterno retorno das mitologias que se projetam no céu da História e, por outro, de sua secularização no chão experiência material humana. Já na antologia “Mausoléu” (1975), 37 baladas sobre o progresso, Hans Magnus encenava, já na escolha desta forma musical, o movimento em falsete de progresso que se esquece na prosa da história. Três anos depois, “O Naufrágio do Titanic, Uma Comédia” acentuava esse processo na forma de um eu lírico blindado no instante de seu desaparecimento sob o oceano glacial. Em nenhum outro livro de Hans Magnus, a expressão “Eu” é tão aguda, enfática, bela e cristalina. De fato, Enzensberger parece colocar de ponta cabeça a dialética hegelina, pois não é a negatividade da liberdade ideal que move a história, mas a produção material que acelera e “encena” espetacularmente seu fim.

Vinte anos depois, o último livro de poemas de Hans Magnus Enzensberger, “Mais Leve que o ar Fábulas Morais”, traz um pequeno poema dedicado ao “Mercado Mundial”, que nos lembra, além dos vírus mutantes da Internet, tão instáveis comos fluxos as bolsas, algo mais prosaico do que o naufrágio colossal do Titanic. O tempo livre para ler poesia tende a aumentar com o desemprego. O foco do poema é a própria sarjeta e um mendigo no calçadão, no qual se encontram as “novidades” de segunda de todos os lugares. Se existe um lugar hoje para o sujeito lírico, sem dúvida, é a sarjeta que fica exatamente onde termina a fila do desemprego. Assim como seu colega Ulrich Beck, que previne os alemães do risco da brasilização de seu mercado de trabalho, Enzensberger não se esquece do samba brasileiro e parece concordar que a Alemanha em 10 anos será bem mais morena e mestiça do que é hoje e, arremata, infelizmente nem tão segura.

Hans Maguns Enzensberger me concedeu esta entreavista em sua útima visita a Hannover, onde esteve para a gravação de uma programa na rádio estadual da Baixa Saxônia, num hotel, ironicamente, denominado "Maritim".

Há quarenta anos em sua antologia de ensaios “Detalhes” (“Enzelheiten”) o Sr. fazia um balanço do colapso da vanguarda histórica, estabelecendo o parentesco entre seu impulso de superação à mesma motricidade vazia que alimentou os movimentos fascistas na primeira metade do século. Tomemos este exemplo concreto no movimento congelado da escultura do norte-americano Michael Heizer: uma imensa rampa que aponta para o nada no meio do deserto de Nevada. Nenhum museu do mundo poderia contê-la. Ela mimetiza um fundamentalismo da vangurada, elementar como o solo neste salto no vazio, mas representa também uma volta ao silêncio e ao repouso.

Se a vanguarda é conhecida como a tropa de choque, quando examinamos de perto a sua auto-compreensão, percebemos, na verdade, que ela anseia ao repouso e a reconciliação como o quadrado negro do construtivista russo Malenkevitch. A questão é: como podemos saber se a tropa de choque chegou ou não ao seu destino ao cruzar a linha do horizonte. A verdadeira vanguarda não seria, então, aquela que atingiu este repouso, enquanto que sua simulação são os outros que continuam marchando nesta motricidade vazia, encenando o mesmo ritual pos-moderno dos museus e do mercado de arte, como o Sr. diz no ensaio “As Aporias da Vanguarda”, de 1962? Onde estão estas energias neste fim de século? O seu ultimo livro fala de “uma poesia mais leve que o ar”, mas este seculo ficara conhecido como o do naufragio da subjetividade, do naufragio lirico de do Titanic. O Sr. chegou a este repouso na imersão nestes versos?

Hans Magnus Enzensberger - Nunca saberemos se ela chegou ou não do outro lado, mas esta energia poderia vir da luz desta manhã de sol. Ele esta simplesmente la brilhando. Esta energia tem a ver com a nossa própria espécie e sua notavel teimosia. Esta rampa poderia muito bem ser a mesma que serve ao trabalho de Sísifo, um heroi da paz, como voce sabe, e não a tropa de choque, realizando seu trabalho paciente. Nós não conseguimos frear sob hipótese alguma este desejo e a fantasia de nossa especie, eles sao irresitíveis neste salto para o vazio no pior e no melhor. Mas no meu poema do naufrágio, não formulo o “fim”, mas a iminência do fim, a aproximação com um “fim” que será sempre adiado. Enquanto ainda falarmos, este fim nuca deixara de recuar.

Mas se o sujeito lírico é uma fição (“por aquele de quem se fala, cala”), então a quem podemos atribuir o testemunho deste naufrágio? Nesta aproximação pemanente com o fim, o Sr. formula o mesmo paradoxo da ideia hegeliana de “aufheben”, superação, o verbo hegeliano ja em seu aspecto “verenden” exprime o trabalho de um acabamento permanente. O Sr. afirma tambem num poema neste livro que “não e preciso ler Hegel para sacar que a Razao e Razao e não e, basta olhar o espelho de bolso”, ou seja: a Razao não e o fim, mas o meio, a fronteira do fim que recua neste processo. Mas o início deste “fim”, como afirma o poema, “é sempre discreto”, ele já aconteceu, o iceberg já atingiu a estrutura do nosso sistema e o naufrágio já está a meio caminho...

Cruzada Albigense contra os cátaros


Hans Magnus Enzensberger – A filosofia também “acabou”. Não temos mais uma história da filsofia. No século passado tínhamos aqueles volumosos compendios, mas hoje ninguem mais acredita na existencia dela. Quando falamos, adiamos este fim, desejamos adia-lo até onde nosso fôlego suporta. Quando falamos de “fim” ele não pode estar lá, pois senão não poderíamos falar dele. O Apocalispse é, em primeiro lugar, uma fantasia. Existem a cada dia “mini” Apocalispes, mas é da idéia mesma do Apocalispe que ele seja total. O fim do mundo vale para todos sem exclusão. O Apocalispse é uma gigantesca fantasia democrática, quando todos são iguais na queda, ja na religiao, portanto, o Apocalipse não é apenas uma fantasia de terror, mas a expressao do desejo do fim nesta igualdade. Mas a realidade não é assim, podemos estar tendo alucinação com o Apocalispse, enquanto na realidade estamos aqui sentados tomando uma xícara de café numa manhã de sol.

O Apocalispse segundo o Discovery Channel em 21.12.2012


Mas então quem daria testemunho este resto em sentido lógico, que é razao e não é? O Sr. descreve eum seu útlimo libro no poema “Mercado Global” um mendigo que observa o desfile das bugingangas do consumo sozinho na calcada. Hoje, sequer mais uma palavra para a palavra exploração mais existe na poesia. Em nos seus ensaios o Sr. procura formula uma viagem a este novo continente sem nome para o qual quando temos ainda uma malha conceitual pronta. Qual e o nome desta palavra hoje?

Sebastião Salgado "Êxodos"


Hans Magnus Enzensberger - Eu sou um ensaísta e não um filósofo. Um filósofo tem de argumentar e definir com um mínimo de precisão sua rede conceitual, embora hoje os filósofos tenham abdicado ha muito de argumentar. Os filósofos hoje deliram. Temos no mundo de hoje filósofos delirantes, temos uma filosofia delirante, uma arte na qual os franceses sao especialistas e não encontram concorrentes, trata-se de um discurso muito pouco confiavel como o da Bíblia. Quando nós desejamos contradize-los, então eles dizem: mas eu escrevo literatura, e quando completamos: mas para um escritor voce escreve mal, aí eles arrebatam, mas eu sou um filósofo. É um truque barato, mas que funciona. Por que não usar este truque, mas ele é muito visível, mas isto é uma paródia daquilo que poderísmos entender por filosofia consistente. Mas naquilo que diz respeito ao resto como você formulou, a ideia de exploração temos hoje um problema interessante. Hoje milhoes de pessoas anseiam desesperadamente ser exploradas, um explorador qualquer. A esperança hoje é a exploração, as pessoas esperam que ela venha, mas niguém aparece. A maquinização conduziu a este paradoxo da demanda. O Capital simplesmente prescinde destas pessoas, a exploração não é mais o horror do qual antes tanto se reclamava, mas as pessoas esperam ser exploradas. O grande problema da África é que ela não é mais interessante, não oferece petróleo, diamantes para os aventureiros, os exploradores não precisam mais dela,uma situação bastante piorada em relação ao passado recente do Capital.

O Sr. afirmou certa vez que o Bild é mais radical que seus críticos ao vender a ausência de leitura como leitura. Com a teoria do “midia zero” descrevia uma projeto de apagamento da realidade que sequer as vanguardas historicas ousaram imaginar. E agora com a Internet. Este limite teria sido superado?

Hans Magnus Enzensberger- Como lhe disse, nossa espécie não tem limites e lanca mao de todos os recursos possiveis. Estes novos meios sao prova de uma superção ainda mais radical das fronteiras anteirores, neste capitalismo digitalizado, avança-se ate mesmo para a supressao da propria ideia tradicional de realidade. Com a nova biotecnologia, por exemplo, trata-se não mais da exploração de classes em sentido tradicional, como um estágio da força de trabalho, mas do proprio capital genético no qual bilhoes estão sendo investidos.

Mas a realidade último do pensamento sua irredutibilidade para a maioria ainda seria próprio corpo, da forca de trabalho abstrata no qual estava o ultimo refugio da consciencia. Esta ultima reseva estariaecada?.



Hans Magnus Enznesberger – Mesmo este procura ser agora desmaterializado. Há projetos de inteligência artificial, vinculados a motivos das utopias tecnicistas, pois o corpo e perecivel, mortal, adoece e deveria ser substituido por maquinas, ou partes mecanicas, mas esta tambem e uma visão barateda da utopia, condenada ao fracasso como sua utopia irma socialista, que fracassou. Sou muito cetico nesta aspecto. Nestes projetos de inteligência artificial investem-se bilhões para resultados risíveis, sequer um robô que pudesse limpar o chão direito estas pesquisas conseguiram produzir. Estas máquinas inteligentes com inteligência somente tem o nome em comum. Agora procura-se melhorar geneticamente o homem, e os resultados podem ser preocupantes.

O que teria acontecido com Sloterdijk, um curto circuito mental? Ele afirmou a "Folha", recentemente, que Habermas “seria um nazista de primeira hora, um fanãtico lider mirim da HJ, cujo fé no “Fuehrer” ate a vitória somente mais tarde seria substitutido pelos ensinamentos de Schelling e Heidegger”?

Hans Magnus Enzensberger – (Pega o jornal, vê a foto e a entrevista, risos) Esta é muito boa, sério?! Veja este homem cortando a grama la fora. Ele pode sofrer um acidente de trabalho por vários motivos. Quando se pensa, também podemos sofrer um acidente de trabalho, uma perda de realidade. Acho que é o caso de Solterdijk neste episódio. Isto não tem nada a ver com a perda de inteligência, mas as pessoas podem enlouqecer de uma ora para outra simplesmente. Porque somente as pessoas comuns tem o direito de endoidar! Os artistas e os filosofos padecem muitas vezes de uma paranoia narcisista que decorre deste desejo de representatividade e reconhecimento, mas ao perceberem que seu discurso patina no vazio...

Hitler e Speer sentiam-se como artistas e decretaram o fim do mundo

Hans Magnus Enzensberger – Esta é a questão da paranóia artistica. Goebbels também era um escritor. Todos eles dividiam esta convição da existência de uma “obra de arte total”. O problema deste tipo de artista, de péssimo artista, é a incapacidade em compreender a impotência da arte, e permacer no delírio infantil dos diletantes.

Germania A nova Capital do Mundo e Disneylândia do Terror, numa época em que ainda não existiam "Legos"

Os artistas inteligentes como Heiner Mueller sabem que são impotentes, a arte não pode mudar a realidade como a ciencia, mas a maneira de ver e se aproximar desta realidade. Hitler e Speer não entendiam esta trivialidade e se deleitavam com fantasias infantis onipontentes sem realizar uma autoreflexão como no moderno.


A arte ainda precisa de imagens inimigas? É ainda possivel escrever poemas como “O Naufrágio do Titanic”?

Hans Magnus Enzensberger - Estes poemas são muito modestos, bastante relativos, e sempre procuram tomar distância como em meu ultimo livro “Mais leve que o ar”. Não temos mais os homens universais e geniais como Leonardo e Goethe, essa potencia criativa, essa universalidade não é mais possível e nem tampouco podemos ter nostalgia dela, ou de um patamar sublime que se alce sobre a humanidade. Os artistas são apenas seres humanos iguais em tudo, absolutamente em tudo iguais aos outros, eles não são melhores e nem piores, e portanto, não devem ter ilusões. Acredito assim que haja um momento em que possamos ainda fazer algo adiante. Temos agora varios “fins” em nosso horizonte: há duzentos anos, falava-se do fim do período da arte depois da morte de Goethe, simultaneamentee Hegel decretava o fim/superação (“aufeben” da filosofia), depois tivemos o fim das vanguardas, da utopia socialista, e finalmente da linguagem, mas este fim já dura pelo menos duzentos anos. Este fim é muito longo.

No Museu Universal da Poesia, o Sr. acobou de acrescentar, em seu último livro, que trata da globalização, da Internet e seus vírus etc, um poema sobre o samba brasileiro. Será que valeria também o teorema da brasilização de Ulrich Beck para a lírica moderna, ou o Sr, estaria escrevendo um novo capítulo de “A Teoria do Turismo 2” na era do capital eletrônico. O Sr. vê o samba de fora como um “kistch”, da espécie “world music” para os postos avançados da classe média alema em férias em Maiorca, Tenerife, Ibiza, ou dançando no sem futuro e autismo techno da Love Parade berlinense, ou simplesmente uma reserva de sentimentos tradicionais e nostálgicos que poderiam ser ainda preservados nesta era da poesia globalizada.

Hans Magnus Enzensberger - Naturalmente, que com o samba ocorre algo semelhante àquilo que acontecera com o tango nos anos vinte, e hoje com a música cubana a e caribenha: uma paródia involuntária ou intencional, um travestismo de formas, ou mesmo uma pasteurização sob o rotulo da tal de “multiculturalidade”. Isso significaria, entre outras coisas, uma trivialização e malentendidos. Nem sempre o híbrido nesse campo significa uma qualidade técnica superior. Da mesma maneira, vejo a questão da “brasilianização”. A propósito, eu a considero também inevitável, no sentido de que a Europa nos próximos trintas anos será cada vez mais mestiça e morena. Mas o preços é muito mais alto do que Beck supõe. Nenhum idílio: mas conflitos violentos com favelas, “gangs” e a insegurança generalizada. São Paulo não é o que podemos chamar propriamente de um lugar de descanso!

No final do século, valeria o mote de Kafka de que se existiria esperanca, mas não para nós. Nós brasileiros não queremos ser o “resto” da modernização.

Hans Magnus Enzensberger – O Brasil é um país que acreditava que o futuro estivesse do seu lado e que trabalhava para ele. “Chegaremos ainda lá”, era o slogan, mas o Ocidente há muito já abdicara dessa ilusão do progresso e sabia qual era seu preço real.

A bandeira brasileira é a unica bandeira do mundo que ostenta o slogan ordem e progresso (risos). É um slogan fantástico para um país. E da mesma maneira, valeria para o Brasil o que vale para o fim do perído da arte, que continua mesmo depois de seu “fim”. Quando ha há duzentos anos, Hegel decretava este “fim” ou “superação da arte”, esta descobria para si um espaco exclusivo de reflexividade que impregnou a consciência do moderno, ela continuava, porém, adiada nessa crescente autoreflexão sobre seus fins e meios.

O "Brasil Grande" de Geisel e Golbery no qual cresci nos meues verdes negros anos, meu primeiro "clássico" e a última visão realmente estratégica do pais, quero dizer, mantendo suas fronteiras atuais




Esse progresso para o Brasil dentro da modernização era também uma perspectiva sempre virtual e adiada. Esse “grande futuro”, que chegaria na forma de uma “grande potência”, quando os “problemas estivessem resolvidos”, com base na “gigantesca vitalidade” do país simplesmente não chegaram. Esse fim nunca chegou e no seu lugar apareceu uma outra desordem. O que vem depois da ordem e do progresso? Sou cético e não vejo a resolução desse problema, no qual, como na arte, ele prossegue mas sem uma base de sustenção no presente, poderíamos falar que o Brasil relativizou bastante a dialética de ambos os pólos de ordem e progresso, não qual há uma mistura de (Enzensberger fala em perfeito português) um pouquinho de progresso e regresso.

Talvez seu grande verso: “Pois aquele de que se fala, cala”. Esses versos encerram a verdade de nosso século da guerra tecnológica, de Verdun Auschiwitz e do Goulag

Hans Magnus Enzenberger - A maioria não tem voz, a esmagadora maioria da humanidade não tem voz e a tentativa de delegá-la e de representá-la na arte é uma catastrofe. No marxismo, houve a tentativa de figurar essa voz na vanguarda do proletariado ou da classe trabalhadora, do partido, do comitê central como instâncias de representação. A arte ocupou este silêncio, bem, como a política. É absolutamente problemático falar do fracasso dos outros. Este funcionário do hotel à nossa frente, como ele poderia compreender o que está errado no mundo e falar por essa maioria? Afirmei poeticamente uma vez que falava dos que não falavam, mas era apenas uma licença poetica Posso conversar com grande entusiasmo com as pessoas das favelas brasileiras, mas não posso falar por elas.

Este é o original da entrevista publicada pelo Caderno Mais! da Folha de São Paulo em 12.12.1999 sob o título "Depois da Ordem e do Progresso". Seus direitos autorais pertencem exclusivamente à Empresa Folha da Manhã.

domingo, 3 de julho de 2011

O programa nuclear "secreto" da Marinha brasileira segundo a ZDF alemã


Apresentador - O século XXI traz ascensão de quatro novas grandes potências, ou BRICS como denominam os estrategistas: o Brasil como “celeiro”, a Rússia como “fornecedora de energia”, a Índia como “prestadora de serviços” e a China como a “fábrica” do mundo. Entre as quatro, apenas uma, o Brasil, não é uma potência nuclear, mas ninguém pode garantir que permanecerá assim no futuro. O Brasil já teve uma vez um programa nuclear, dirigido pela Marinha, e, neste entretempo, aparentemente foi abandonado, mas os velhos sonhos ainda vivem na generalidade brasileira, que fala abertamente sobre isto: “Nós temos de estar em condições de construir um potencial nuclear, se o Estado assim o desejar. Não podemos negar a realidade: o mundo é violento, imprevisível e cheio perigos.”

Apresentador - Claro, isto é evidente, mas o programa atômico brasileiro é, neste momento, apenas para fins civis.

Apresentador – “Deus é brasileiro”, declara o Presidente Luís Lula da Silva às massas entusiasmadas. E este é, de fato, um pais abençoado, com uma natureza deslumbrante, 190 milhões de pessoas confiantes, uma nova classe média crescente, uma economia aquecida que consome cada vez mais energia. Mais de 80% do consumo brasileiro vem das hidroelétricas, mas, além deste limite, não é possivel se expandir, pois os rios já estão no limite da capacidade de exploração, novas fontes devem ser procuradas e o Brasil tem a sexta maior reserva de urânio do mundo.

Apresentador - Não foi nada fácil entrar nestas dependências (Centro de Processamento de Resende), mas, no fim, a indústria nuclear brasileira abriu as portas de suas impressionantes instalações.

Apresentador - Mas desde o comeco ficou claro também que a hospitalidade logo acabaria, não aqui, mas numa “certa porta”, na qual não poderíamos rodar, mesmo com ela fechada, sequer do lado de fora. O INB, o conglomerado brasileiro ainda compra urânio enriquecido para seus bastões no exterior, da URENCO, por exemplo, um empreendimento europeu, do qual a República Federal da Alemanha, por exemplo, é parceira, mas esta dependência deverá acabar logo logo. Segundo as autoridades da AIEA, o Brasil já atende a todas as condições para a produção de combustível enriquecido. E os engenheiros ainda trabalham nas máquinas “made in Germany”. A Siemens e a Alemanha foram, desde o início, parceiros do programa nuclear brasileiro contra os protestos raivosos dos Estado Unidos contra a concorrência indesejada.

Apresentador - Neste intervalo, sabemos que os militares brasileiros continuam tocando um programa militar “paralelo” para o confecção de material enriquecido e armas, e isto acabou vazando, mas aqui, como se afirma oficialmente, trata-se de um programa “exclusivamente civil”. Se isto é verdade, e eles até deixaram entrar nesta dependência supersecreta de fabricação de bastões, porque as portas das instalações para o enriquecemento de urânio têm de ficar fechadas, não apenas para mim, para inspetores das autoridades internacionais?

Apresentador - O que vocês estão escondendo atrás daquela porta? Qual é o problema de mostrar o que está atrás da porta? É um problema?

João da Silva Gonçalves (Diretor Técnico do Centro) - Não, não é um problema. Aqui não têm nada de ilegal. São apenas segredos industriais, máquinas e procedimenrtos, segredos industriais, é apenas isso.

Apresentador - Quer dizer, você está me dizendo que o Brasil desenvolveu procedimentos novos no processo de enriquecimento.

João da Silva Gonçalves (Diretor Técnico do Centro) – Sim.

Apresentador - Sobre os quais o resto do mundo ficaria impressionado, mas em tão pouco tempo?

João da Silva Gonçalves (Diretor Técnico do Centro) - Sim, eu diria isto.

Apresentador – Brasília, uma capital planejada, de um pais do futuro, e para isto o Brasil tem de ser tornar numa potência energética e este é o trabalho de Mario Botelli.

Apresentador - Se um país pode enriquecer urânio em 15%, 20%, haveria qualquer impedimento técnico, para dar um passo adiante, de se chegar até 90%?

Mário Ferreira Botelho (Coordenador do Programa Brasileiro de Enriquecimento) - Veja bem, isto não é difícil, você terá apenas de repetir o processo. Você pode se decidir em enriquecer com 5%, 6%, 8%, ou 9%, 20%, sem dificuldade, apenas talvez com uma ampliação de sua planta, mas a gente não pensa nisto, este não é o programa que o Brasil persegue. Mas eu também não posso garantir que vai ser sempre assim. O mundo e as pessoas mudam. Está na natureza humana esta mutação. A gente está sempre mudando.

Apresentador - Durante toda a conversa, fiquei observando e admirando a decoração do escritório de Botelho. O chefe do escritório do setor de enriquecimento revelou ser, na verdade, um antigo comandante de submarino e, desde o início, foi a Marinha brasileira que tocou este programa e até mesmo o desenvolvimento de armas nucleares foi um programa da Marinha brasileira.

Apresentador – Também mina a nossa confiança o fato de que o Presidente Lula da Silva tenha aumentado pela metade o orçamento militar e comparado publicamente os interesses do Brasil aos do Irã. A Marinha brasileira terá novas tarefas. Eles já estão trabalhando na proxima geração de submarinos atômicos e a verdadeira motivação para isto é o orgulho sul-americano para encarar os Estados Unidos com orgulho e encontrão novos parceiros, o velho adversários dos Estados Unidos está preparado.

Solicitei à jornalista Claudia Antunes, do Caderno Internacional da Folha de São Paulo, sucursal Rio de Janeiro, que fizesse uma avaliação deste bloco do programa da ZDF e, de fato, ele está crivado de erros, dois deles particularmente grosseiros e não há provavelmente e literalmente "nada" atrás "daquela porta". Sua resposta foi postada no Facebook. Relatei a Cláudia Antunes que esta perspectiva e desconficança são "dividendos" do "curto capítulo iraniano", já encerrado, de nossa diplomacia.

"Galisi, vi a matéria da ZDF. Acho que tem algumas imprecisões: na verdade, tem uma parte do programa nuclear que ainda é a militar, que é justamente a fabricação do reator para o futuro submarino nuclear (aquele do acordo com a França). Para abastecer esse reator, o Brasil terá que enriquecer urânio a 20%, que é o máximo permitido para fins pacíficos para a AIEA."
"A tal centrífuga sobre a qual se mantém segredo industrial tb vou produzida pela Marinha, no centro chamado Aramar, em SP, que também está sob inspeções da AIEA (mas no mesmo esquema da fábrica de combustíveis de Resende, isto é, os inspetores checam o que entra de urânio bruto e o que sai de enriquecido para as usinas de energia, mas não veem a centrífuga)."
"Na minha opinião, o Brasil gostaria não de produzir a bomba, mas de chegar ao "limiar da bomba", como Alemanha e Japão, que têm capacidade de fazer a arma em pouco tempo se o desejarem. Mas acho que mesmo isso vai demorar muito porque até o programa civil está superatrasado. O Brasil ainda depende de importação de combustível para as usinas, para uso médico e não conseguiu ainda dominar a transformação da pasta de urânio em gás, que é um processo prévio à produção do combustível, que são varetas ou pastilhas. Fora que o Brasil não tem veículo lançador, nem pesquisa avançada de veículo lançador de arma atômica."

quarta-feira, 29 de junho de 2011

70 Anos da Operação Barbarossa - "Finis Germaniae" - A Nova Guerra Européia dos Trinta Anos - Entrevista com o Historiador Hans Ulrich Wehler

Há setenta anos, nas primeiras horas da madrugada de 22.06.1941, divisões do "Gruppe Mitte", do General Fedor von Bock, cruzavam a linha demarcatória, na extinta Polônia, traçada um ano e meio antes nos anexos secretos do Pacto de Não-Agressão, firmado por Ribbentrop e Molotov no Kremlin, em direção à fortaleza de Brest.

Naquele momento, todas as linhas dos conflitos da década que se encerrava entre os "frontes populares" da Europa continental unificavam-se, finalmente, numa única Guerra Civil Mundial titânica do Atlântico aos Urais, tendo Hitler e seu anti-semitismo como força motriz.

Um oficial, veterano do antigo fronte ocidental de 1916, confessou ao seu batalhão: "Este é o Finis Germaniae", "Este é o fim da Alemanha como nós um dia a conhecemos". Porque se enganam completamente os que ainda acreditam que este lance, e os alemães quase ganharam a guerra nesta única cartada, teria sido motivado pela pilhagem do trigo ucraniano ou do petróleo do Cáucaso, ou mesmo a extensão do sistema concentracional e escravagista moderno com milhões de subumanos, ou seja, em última instância, por um objetivo "racional", incorporando ao Reich os domínios europeus da Rússia czarista como o Báltico e a Ucrânia. Esta era apenas a superfície do teatro de guerra.

Para Hitler, o judaísmo e o bochevismo eram exatamente a mesma coisa, duas faces da mesma moeda na caricatura do Comissário Político e sua "bestialidade".

Aquela Cruzada de Extermínio era o gesto final de sua missão anti-humana e anti-civilizatória.

Como reconhecia seu falecido biógrafo Joachim Fest, a diferença entre Hitler e todos os outros tiranos que o precederam, e até nele se inspiraram no futuro, é que sua loucura, de fato, não contemplava nenhum verniz "humano", qualquer traço "construtivo", nenhuma "justificava" visível em nome daquela frágil choupana no deserto que chamamos de "civilização", diante da brutalidade mais atroz. Quanto mais gratuita esta, melhor. Nada seria erigido sobre as ruínas deste mundo pilhado, onde escravos e subumanos marcham em colunas nas estradas sem fim. Exatamente como em "Guerra dos Mundos", ou, mais banalmente, em "Independence Day", quando Bill Pullman reconhece estar falando com gafanhotos, além da reciprocidade, "Nenhuma paz com vocês". A"Nova Ordem" seria uma estepe de cidades despovoadas, colheitas queimadas e fábricas em ruínas, como ilustra o olhar olhar deste soldado "ariano" diante "daquilo" que para ele é um "subumano asiático" a serviço da conspiração criminosa entre o judaísmo internacional e a plutocracia e Barbarossa é a prova de que os alemães foram vítimas de sua própria propaganda política.

Foi justamente depois de saber do encontro de Churchill e Roosevelt no couraçado Ausgusta em Placent Bay em agosto três meses depois, que Hitler conclui, finalmente, confirmando suas auto-profecias, que esta conspiração entre a plutocracia americana e o judaísmo internacional exigia o "extermínio final" de todos os 11 milhões de judeus da Europa, que seria selada em Wannsee em janeiro de 1942.

Aqueles que ainda emprestam à palavra "ideologia" qualquer autoridade se esquecem de que o nazismo a desmoralizou para sempre, pois ela não "esconde" nada.

Já no final de sua vida dedicada a tentar compreender se havia qualquer "vestígio" de racionalidade neste programa, Fest conclui, amargurado: "Não, Hitler foi único". Em seu léxico negativo, o movimento retilíneo para frente não pode ser nunca detido: deportar populações inteiras, remover, destruir, gaseificar, queimar, apagar cidades do mapa, torturar lentamente, esfaimar, asssassinar milhões, de preferência, de modo lento, nenhum sangue derramado seria sufiente para Hitler, sequer o de sua propria "Volksgeimeinschaft", sua "comunidade de sangue", que deveria também sucumbir por ter se revelado inferior na luta.

Cada campanha de extermínio exigiria uma outra. Como na vizinhança de um "buraco negro" da História, todas as categorias lógicas e racionais de nossa nova "física" fracassam quanto mais nos aproximamos do genocídio industrial e Auschwitz, recuando como uma "singularidade nua", um contrasenso total no qual as leis dos "movimentos históricos" não têm mais qualquer autoridade. Em outras palavras, Auschwitz aboliu a História como categoria. Mas a busca pelas "continuidades" e "nexos" nos convida a permanecer deste lado onde a lógica ainda impera e a História ainda pode ser escrita com "categorias", causalidades, pois elas nos oferecem uma segurança e conforto aparentes.

E deste outro lado da "singularidade crua" que é Auschwitz, os livros, depoimentos, documentários ou mesmo os compêndios história militar nos convencem, em sua "exemplaridade clássica", de que se a "Wehrmacht" pudesse ter influenciado, ainda na metade do verão de 1941, "racionalmente", o curso dos acontecimentos, a guerra teria sido decidida em menos de 22 semanas, como previsto inicialmente, com um "thurst" único em direção à capital, o que faz a fortuna dos produtores de games de guerra (muitos chamam-se Barbarossa) e documentários históricos e programas de TV. É verdade também que sequer a BBC acreditava, em setembro de 1941, que, depois dos expurgos, o Exército Vermelho tivesse alguma chance até o Natal. Mas é mais verdade ainda que os Aliados já sabiam, desde então, sobretudo nos Estado Unidos, quando a comunidade judaica começou a pressionar a Casa Branca, que algo de "muito especial", "terrível", pois os relatos que vinham do novo aliado soviético ecoavam na imprensa, que algo "grande", "sistemático" e "definitivo" contra todos os judeus do Leste já estava em curso desde o início da operação.

Mas Hitler resolveu cercar Leningrado, esfaima-la lentamente, pois ela era a matriz do bolchevismo, portanto, a sede do comissário político e do eterno judeu. Os conflitos abertos e operacionais entre a "Wehrmacht" e as SS na campanha polonesa, quando algo como uma certa resistência dentro de alguns setores mais conservadores já se insinuava em relação aos verdadeiros objetivos da campanha militar, fora debelado.

Barbarossa nasceu, de fato, com a "Kommissarbefehl", de 06.06.1941,

que isentava de qualquer processo penal militar o catálogo de crimes a serem cometidos contra civis e oficiais inimigos, a assim chamada "diretiva para o extermínio dos comissários políticos, judeus e partisães", ou não-pessoas que "sind auf der Stelle mit der Waffe zu erledigen", ou seja, exterminados no ato com a pistola. Esta diretiva foi cumprida, com raríssimas exceções, em quase todos os escalões da hierarquia.

A "Kommissarbefehl", foi - para usar um eufemismo, já que particularmente detesto a palavra "direito internacional", uma expressão "kitsch" e pomposa, justamente para facilitar o trabalho do inimgo, quando se enche a boca com estes arremedos humanistas, pense no general sérvio bósnio Ratko Mladić debochando dessa retórica e suas milícias recrutadas em todas as cadeias, sedentas de sangue, no enclave de Srebrenica, no nariz da ONU, diante das câmeras distribuindo balinhas para as crianças, mas quando a luz se apaga, ele pega as balinhas de volta e ainda dá umas porradas nos meninos, nem a ONU nem a retórica do direito internacional são capazes de deter a barbárie, só a força, - a saber, a diretiva sinalizava um caminho sem volta, como em toda a carreira criminosa, há um momento de definição, ou ganhamos a guerra ou seremos enforcados em nome deste "direito internacional". Quando a ditadura argentina mal terminara de lavar as mãos do sangue, só mesmo uma guerra, se não com o Chile, até com os pinguins, poderia "purgar" sua culpa. Mas nem mesmo esta fraternização no crime, e este era o momento verdadeiro de triunfo para Hitler, aquilo que reivindicou em seu testamento como seu "legado", superava os desacordos entre "Fuehrer" e, agora, "sua Wehrmacht", ainda inebriada com a memória da campanha sobre a França, sobre o significado desta nova "vitória", aparentemente já tão próxima.

A verdadeira missão de Hitler no Leste, sua direção operacional, foi confiada, no entanto, exclusivamente às SS na retaguarda, numa espécie de "divisão de trabalho" com a "Wehrmacht" nesta primeira fase do "genocídio por fuzilamentos em massa", quando aproximadamente 3000 soldados na Ucrânia, Estônia, Letônia, Lituânia, Bielo Rússia executaram mais de 1.200.000 civis judeus em menos de três meses, a maioria mulheres, crianças e idosos.



Mas, como afirmei, estamos deste outro lado da "singularidade crua" e a ciência histórica pode nos oferecer ainda algumas explicações sobre a "peculiaridade" de certos desenvolvimentos. O historiador da Universidade de Bielefeld Hans Ulrich Wheler

pertence a uma linha teórica que defende a idéia de que a brutalidade sem precedentes da guerra de extermínio alemão no fronte oriental representou o desfecho de um "Sonderweg" da modernização autoritária e militarizada, ou da prussianização do país, feita de "cima da baixo". Ele se alinha também a uma vertente que defende a idéia de só podemos entender a Segunda Guerra como o desfecho de uma nova "Guerra Européia dos Trinta Anos". Se a primeira Guerra do Trinta Anos sangrou demograficamente os principados alemães em quase 70% de sua população, um fantasma que a assombrou po séculos, o novo conflito produziria mais de 15 milhões de refugiados e se inscreve na memória coletiva de todos os povos como a memória do extermínio definitivo.

Por que o Sr. defende uma revisão histórica das duas guerras mundiais como uma nova “Guerra dos Trintas Anos”?

Hans Ulrich Wehler – Foi Raymond Aron, conselheiro então de Charles de Gaulle, que introduziu a tese de uma nova Guerra Européia dos Trintas Anos. Esta tese nos oferece a vantagem de considerar as duas grandes guerras do século XX, bem como o entre-guerras, também marcado por uma escalação de conflitos, numa mesma constelação de continuidades e rupturas. Para muitos observadores até julho de 1941, quando a Alemanha invade a União Soviética, a Segunda Guerra parecia ser apenas uma guerra européia de revisão do Tratado de Versalhes, e não uma guerra de extermínio, uma Guerra Total. Por outro lado, ela não diminui a absoluta singuralidade do genocídio nazista. Pelo contrário: até acentua as linhas de força de uma escalação, que, para ser plenamente entendida, exige, necessariamente, um recuo à catástrofe inaugural do século XX . O genocídio foi, de certa forma, a resposta à derrota alemã em 1918. Hitler e seu Partido desejavam eliminar as assim chamadas “causas” desta derrota, mas estas não eram apenas militares ou ecônomicas, porém, essencialmente, impregnadas por uma ideologia anti-semita e anti-eslava já inteiramente manifesta na campanha do fronte oriental da Primeira Guerra Mundial.
O debate atual em torno da eclosão do conflito encontra hoje na memória coletiva das nações européias uma ressonância bastante diferenciada. Para ingleses e franceses, ela representa, ainda, a “Grande Guerra”, “The Great War” “La Grande Guerre”, porque suas baixas na população civil e no fronte foram superiores à Segunda Guerra. Já para os alemães é a experiência da guerra aérea, dos bombardeios de superfície, que varreram do mapa a maioria das cidades, esta é a experiência que ainda se mantém viva na memória coletiva. O trauma da derrota em 1918 deixou sequelas psíquicas profundas na população, que se catalizaria em breve num nacionalismo selvagem até, finalmente, encontrar em Hitler sua força motriz e unificadora.

Portanto, o conceito de “Guerra Total”, isto é, a fusão dos frontes externos e doméstico, já estava prefigurado em Verdun, como preâmbulo de um primeiro genocídio de minorias em escala industrial?



Hans Ulrich Wehler - A Primeira Guerra Mundial conduziu a uma brutalização nunca antes experimentada, pela tecnificação e industrialização do maquinário militar nos quatro anos da luta corpo-a corpo nas trincheiras e na “batalha de material”.

Milhões de homens retornaram do fronte impregnados por um sentimento de desprezo pela vida civil e com uma grande experiência no manuseio de armas. Este corpo-a-corpo continuará nas ruas alemães na fracassada Revolução Comunista de 1918 e numa guerra civil que destruiria a República de Weimar e, depois de 1933, na preparação para a nova guerra.

Mas apenas esta brutalização não é suficiente para explicar a escala do genocídio posterior, pois a elite nazista que o planejou e o executou era uma geração nascida por volta de 1915, ainda muito muito jovem para participar da Primeira Guerra, como Albert Speer, parte considerável da generalidade e das SS, que ainda estavam na infância para lamentar ter participado da Primeira Guerra. Esta geração não tinha a experiência direta com a morte como os ex-combatentes do fronte de 1914 e logrou levar a cabo, tecnocraticamente, um genocídio numa escala nunca antes imaginada, assassinos de escrivaninha como Eichmann.



Na história americana não existe Verdun, nem tampouco Auschwitz, mas o 11 de setembro. Como a população americana poderá superar o trauma do 11.09, além do capítulo do governo Bush?

Hans Ulrich Wehler - Os americanos vivenciaram a Guerra Civil há cento e cinquenta anos. Para um país protegido por dois oceanos e sem qualquer rival diante de seu poderio militar, o 11 de setembro representa uma enorme derrota. Numa única noite em julho de 1943 o ataque britânico a Hamburgo matou 38.000 pessoas, em fevereiro de 1945, em Dresden, 135.000.

Desta maneira, os europeus tendem a avaliar a reação americana como histérica. O problema é que quando um país passa quase 200 anos sem ter nenhum contato direto com o inimigo o choque ganha um sentido simbólico Mesmo que Al Gore fosse o presidente - e acredito que neste caso o Iraque não tivesse sido invadido -, a pressão politica interna não encontraia outro saída senão neutralizar o regime do Taleban. Mas Bush aproveitou o vácuo psíquico deste deste trauma não para lançar uma estratégia efetiva de combater este novo terrorismo, mas para fazer do Iraque o alvo único de sua política externa.
A distância entre o Norte e o Sul somente aumenta. Em, 1950 a distância entre o mundo árabe e o Norte era muito menor do que hoje. O mundo ocidental atravessou neste período um salto de properidade como nunca experimentado na história, enquanto no mundo árabe a estagnação se multiplicou em função de uma elite corrupta e me parece que seja tosco argumentar que isto se deve apenas ao apoio e à exploração das potências ocidentais a regimes como o do Arábia Saudita, cuja essência é a repressão. Os tigres asiáticos conseguiram dimuniur esta diferença. Portanto, as causas da miséria destas populações reside nas constelações de poder locais e desde o fim da Guerra Fria esta questão se coloca com mais ênfase. Para milhoes de árabes, o sentimento de humilhação somente se reforça com a supremacia cultural americana que desmente a cada instante o padrão de vida local e fortalece a idéia banal de que exista uma conexão direta entre esta miséria e a exploração do Ocidente. A América Latina encontrou seu caminho nas duas útlimas décadas para o crescimento. O ressentimento contra a América é universalmente difundido, mas até agora não se traduziu como esta forma virulenta de terrosimo. O mundo árabe perdeu simplesmente este passo e, ao contrário de outros contextos culturais, não consegue exercer auto-crítica.